09.10.2025
Stadtforscher fordern eine Neuausrichtung der deutschen Wohnungsbaudebatte
„Flächen für Wohnungsbau müssen dort gesucht werden, wo sie auch gebraucht werden.“ Stadtforscher des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und des ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung fordern eine grundlegende Neuausrichtung der deutschen Wohnungsbaudebatte. In einem gemeinsamen Fachkommentar kritisieren sie die pauschale Forderung nach immer mehr Bauland als zu kurzsichtig.
Die Wissenschaftler bekräftigen, dass das Ziel, den täglichen Flächenverbrauch auf 30 Hektar zu begrenzen, richtig sei und richtig bliebe. Wer in schrumpfenden oder stagnierenden Regionen neue Bauflächen ausweise, riskiere teure Zersiedelung – zulasten von Umwelt, Kommunen und Steuerzahlern.
Pauschale Forderungen nach mehr Bauland gingen am tatsächlichen Bedarf vorbei. Entscheidend sei nicht der Durchschnitt auf Bundes- oder Kreisebene, sondern ein präziser, kleinräumiger Blick. Neues Bauland im Außenbereich wird nicht flächendeckend benötigt. Es wird dort gebraucht, wo Wohnraum wirklich knapp ist, wo die Potenziale der Innen- und Bestandsentwicklung ausgeschöpft sind und wo eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur – insbesondere im Schienenverkehr – vorhanden ist.
„Wir brauchen daher keine pauschale Freigabe von Flächen für den Wohnungsbau, sondern eine neue, datengestützte und kooperative Planungskultur, die die Nachfrage nach (bezahlbarem) Wohnraum an die erste Stelle stellt, bevor wir über Neubaugebiete auf der ‚grünen‘ Wiese sprechen“, so die Wissenschaftler in ihrem Kommentar. Dies erfordere eine neue Kultur der Zusammenarbeit zwischen den Kommunen sowie stärkere rechtliche und finanzielle Instrumente statt eines ruinösen Wettbewerbs zwischen Kommunen und einer Entwertung von Bestandseigentum außerhalb der boomenden Regionen.
Der vollständige Kommentar „Für eine Wohnungsbaudebatte, die Flächen dort sucht, wo sie gebraucht werden“ ist jetzt in der Fachzeitschrift Raumforschung und Raumordnung erschienen.